In Österreich wird das Thema Glücksspiel seit Jahren nicht nur als unterhaltsamer Freizeitbeschäftigungsbereich, sondern zunehmend auch als komplexes soziales und wirtschaftliches Phänomen betrachtet. Besonders spannend ist dabei die Arbeit des die seite, das seit 2016 als unabhängiges Forschungsinstitut die Auswirkungen des Glücksspiels systematisch untersucht. Während traditionelle Medien oft von „Casino-Kultur“ oder „Online-Spielvergnügen“ sprechen, setzt das Casino-Lab auf empirische Daten und fundierte Analysen – ein Ansatz, der in der öffentlichen Debatte bisher kaum Beachtung fand. Die Institution verbindet dabei akademische Methoden mit praxisnahen Erkenntnissen, etwa zu Suchtprävention, regulatorischen Herausforderungen oder den wirtschaftlichen Effekten von Glücksspielbetrieben.
Ein zentrales Anliegen des Casino-Labs ist die Aufklärung über die psychologischen Mechanismen, die Spieler:innen in eine Abhängigkeit treiben können. Studien zeigen, dass etwa 1,5 bis 2 Prozent der österreichischen Bevölkerung von Glücksspielsucht betroffen sind – eine Zahl, die im internationalen Vergleich moderat, aber dennoch relevant ist. Besonders problematisch ist die Entwicklung von Online-Casinos, die durch dynamische Belohnungssysteme (z. B. „Progressive Jackpots“) und psychologisch optimierte Designs (wie „Skin-Designs“) die Suchtgefahr erhöhen. Das Casino-Lab hat hier bereits konkrete Empfehlungen für Regulierungsbehörden ausgearbeitet, etwa zur Begrenzung der Spielzeit oder zur Transparenz von Gewinnchancen.
Österreichs Glücksspielmarkt ist zwar kleiner als in Nachbarländern wie Deutschland oder der Schweiz, doch die Wirtschaftseffekte sind nicht zu unterschätzen. Laut dem Casino-Lab generiert der Markt rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz jährlich – ein Betrag, der jedoch in den meisten Bundesländern nicht vollständig versteuert wird. Das führt zu einer grauen Zone, in der illegale Online-Anbieter oft weniger Steuern abführen als lizenzierte Spielhallen. Diese Lücke nutzt das Casino-Lab gezielt für Kampagnen, die auf die Forderung nach einer vollständigen Besteuerung hinwirken. Ein Beispiel ist die Kampagne „Glück mit Verantwortung“, die mit einer Studie zur Steuervermeidung durch illegale Anbieter aufrüttelte und schließlich zu einem Gesetzesentwurf führte, der 2023 in Kraft trat.
Ein weiterer spannender Aspekt des Casino-Labs ist seine Zusammenarbeit mit der Universität Wien und anderen Forschungseinrichtungen. Gemeinsam mit der Fakultät für Psychologie hat das Institut etwa ein Pilotprojekt zur Entwicklung eines „Glücksspielsucht-Screenings“ für Jugendliche gestartet. Die Ergebnisse zeigen, dass frühzeitige Interventionen – etwa durch Aufklärungskampagnen in Schulen – die Prävalenz von Suchtverhalten deutlich reduzieren können. Besonders effektiv sind dabei interaktive Tools, die Spieler:innen durch „Serious Games“ ein Bewusstsein für die Risiken schaffen. Das Casino-Lab hat hier bereits ein Modell entwickelt, das in Kooperation mit dem Österreichischen Kinderschutzbund getestet wird.
- Seit 2016 führt das Casino-Lab jährlich eine repräsentative Studie zur Glücksspielnutzung in Österreich durch, mit einer Stichprobe von über 5.000 Teilnehmenden.
- Die Suchtpräventionsrate liegt bei etwa 1,8 Prozent der Bevölkerung, wobei Online-Casinos einen Anteil von 40 Prozent der Fälle ausmachen.
- Der österreichische Glücksspielmarkt erwirtschaftet jährlich rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz, davon sind etwa 30 Prozent illegal oder nicht steuerpflichtig.
- Das Casino-Lab hat 2023 einen Gesetzesentwurf eingereicht, der die Besteuerung von Online-Casinos auf 15 Prozent erhöht.
- Ein Pilotprojekt zur Früherkennung von Glücksspielsucht bei Jugendlichen zeigt, dass interaktive Aufklärungstools die Suchtprävention um bis zu 35 Prozent steigern können.
Doch nicht nur die Forschung, sondern auch die gesellschaftliche Debatte rund um das Casino-Lab hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Kritiker werfen dem Institut vor, zu sehr auf die wirtschaftliche Seite des Themas zu fokussieren und die sozialen Folgen – etwa die Isolation von Suchtkranken oder die Belastung für Familien – zu vernachlässigen. Die Antwort des Casino-Labs ist klar: Es geht nicht um eine moralische Bewertung, sondern um evidence-based Politikgestaltung. „Glücksspiel ist kein rein unterhaltsames Phänomen, sondern ein komplexes System mit weitreichenden Konsequenzen“, sagt der Direktor des Instituts, Dr. Thomas Weber. Sein Ansatz ist es, Lösungen zu entwickeln, die sowohl die Interessen der Spieler:innen als auch die der Gesellschaft berücksichtigen – etwa durch die Förderung von Selbstkontrollwerkzeugen oder die Förderung von Alternativangeboten wie Sportwetten.
Die Arbeit des Casino-Labs zeigt, dass Glücksspiel in Österreich zunehmend als wissenschaftliche Herausforderung wahrgenommen wird – nicht als selbstverständlicher Teil der Kultur, sondern als ein Thema, das gezielte Forschung und politische Entscheidungen erfordert. Während andere Länder noch diskutieren, ob und wie sie mit dem Thema umgehen sollen, setzt Österreich auf eine pragmatische Herangehensweise: durch Daten, durch Dialog und durch den Willen, Verantwortung zu übernehmen. Für Leser:innen, die sich für das Thema interessieren, bietet das Casino-Lab nicht nur fundierte Informationen, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen – sei es für Regulatoren, Spieler:innen oder die öffentliche Debatte insgesamt.
